Nur Papi und ich!

Samstag vormittags: Heinrich erledigt mit seinem vierjährigem Sohn Lucas den Wochenendeinkauf. Lucas liebt diese „Männerausflüge“, und Heinrich genießt die Zeit mit seinem Sohn. „Hmm, welche Butter kauft Mami immer, Lucas?“– „Die da, mit dem roten Strich!“, antwortet der Kleine strahlend. – „Gut, dass ich dich mithabe! Schau, da! Wir können noch diese Schokoflakes für dich und Paul mitnehmen. Die mögt ihr sicher, oder?“ Lucas legt den Kopf schief und sagt zögerlich: „Mami sagt, dass wir die nicht kaufen, weil die nicht so gesund sind.“ Heinrich streicht seinem Sohn durch die Haare und meint: „Na dann nehmen wir sie natürlich nicht!“

Heinrich trifft hier mehrere Komponenten einer positiven Erziehung auf einen Schlag. Erstens unternimmt er etwas mit einem Kind alleine. Besonders Kinder, die im ganzen Familienverband eher zurückhaltend sind und wenig sprechen, blühen bei solchen „Nur Papi und ich!“-Aktionen richtig auf. Für Kinder, die im Alltag eher durch unerwünschtes Benehmen die Aufmerksamkeit ihrer Eltern erzwingen wollen, können regelmäßige Unternehmungen zu zweit der Knackpunkt werden, das negative Verhalten abzulegen. Ihnen hilft es zu wissen, dass sie zu bestimmten Zeiten ihren Papa ganz für sich alleine haben werden. Außerdem ist Heinrich entspannt, ja er genießt die Zeit mit seinem Sohn und schenkt ihm ungeteilte Aufmerksamkeit. Er lässt sich von Lucas helfen, nimmt ihn ernst und gibt ihm dadurch das Gefühl, wichtig und kompetent zu sein. Das hat großen Wert für ihre Beziehung und bestärkt Heinrich in seiner Vaterrolle.

Als Lucas ihn weiters darauf aufmerksam macht, dass seine Frau eine „Regel“ aufgestellt hat, die er offenbar nicht kennt, stellt er sich hinter seine Frau und bestärkt so deren Autorität. Wenn Eltern es schaffen, in solchen Situationen Einigkeit zu wahren, gibt das dem Kind viel mehr Sicherheit, Zufriedenheit und Achtung vor ihren Eltern, als wenn Heinrich sagen würde: „Na ja die Mami! Die ist immer überängstlich. So schlimm sind Schokoflakes nicht.“Auch wenn sich Lucas vielleicht kurzfristig über die Schokoflakes freuen würde, es bliebe doch ein negativer Beigeschmack. Würde Lucas dagegen öfters erleben, dass sich ein Elternteil über die Vorstellungen oder Regeln des anderen Elternteils hinwegsetzt, würde er bald nicht mehr ehrlich sagen, was er eigentlich weiß. Im Gegenteil – er würde die Eltern jeweils zu seinem Vorteil gegeneinander ausspielen und so die Uneinigkeit vertiefen. Besonders bei wichtigeren Entscheidungen oder Familienregeln brauchen Kinder die Einigkeit der Eltern. Das hilft ihnen nicht nur, sich leichter daran zu halten, sondern stärkt das Vertrauen zu ihren Eltern. Selbstverständlich kann Heinrich später mit seiner Frau besprechen, was er vielleicht anders sieht, und sie können dann gemeinsam eine Lösung finden. Für Kinder ist es meist kein Problem, wenn Eltern nach einer gegenseitigen Beratung eine Familienregel gemeinsam ändern. Kinder können daraus durchaus sogar lernen, dass man eben aus guten Gründen seine Meinung revidieren und nachgeben kann.

Natürlich könnte Heinrich mit Lucas genauso in ein Hallenbad gehen oder ein Museum besuchen. Manchmal gehen sich jedoch solche aufwändigeren Unternehmungen zeitlich nicht aus. Doch auch unspektakuläre Erledigungen wie ein Einkauf können eine Möglichkeit sein, die Zeit miteinander positivzu nutzen.

Dr. Alexandra Schwarz ist Eltern- und Erziehungsberaterin,
Moderatorin der GFO und Mutter von sieben Kindern.


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