Die Babys kommen nicht beim Mund heraus

„Mama“, meint plötzlich der Dreijährige, „als ich auf die Welt gekommen bin, bist Du da geplatzt?“ – „Nein, nein, da platzt man nicht!“, meint die Mutter überrascht. Nach kurzer Überlegung zieht der Kleine die Folgerung: „Dann kommen also die Babys beim Mund heraus!“

Fragen über Sexualität stellen Kinder oft sehr früh . Doch auch jene, die Fragen nicht offen artikulieren, sind auf der Suche nach Antworten. Wenn nicht Sie diese Antworten geben, werden es andere tun. Heutzutage gibt es buchstäblich kaum eine Fernsehserie, eine Plakatwand, einen Kinofilm, eine Reklamesendung, eine Zeitschrift, ein Lied, ein Videospiel oder ein Schulbuch, in dem das Thema „Sex“ nicht vorkommt. Wenn Sie Ihren Kindern mehr mitgeben wollen, als dort geboten wird, dann machen Sie den ersten Schritt. Sprechen Sie mit Ihren Kindern. Doch was soll man ihnen sagen? Sagen Sie einfach die Wahrheit. Das bedeutet nicht unbedingt, sofort die ganze Wahrheit zu sagen. Überlegen Sie sich, was Ihr Kind genau wissen möchte und formulieren Sie Ihre Antwort so, dass Sie bei weiteren Fragen an diese anknüpfen können. Wenn Sie nie etwas zurücknehmen müssen, wird Ihr Kind auch später Vertrauen in Ihre Erklärungen haben. Sind Sie sich noch unsicher, erklären Sie Ihrem Kind ruhig: „Du, ich muss mir die Antwort noch überlegen. Reicht es heute Abend?“ Später kommen Sie aber wirklich auf das Thema zu sprechen.

Achten Sie auf die Schönheit der Sprache. In der Praxis bedeutet das, die Dinge beim Namen zu nennen. Beginnen Sie in Ihrer Familie, für die Geschlechtsorgane die korrekten Bezeichnungen zu verwenden. Sprechen Sie vom Penis oder Glied, der Vorhaut, der Eichel, dem Hodensack und den beiden Hoden. Sprechen sie von den Schamlippen, der Scheide, der Gebärmutter, den Eileitern, den Eierstöcken und von den Brüsten. „Sprache zeigt Gesinnung“ , heißt es, ebenso kann man sagen: „Sprache prägt Gesinnung“. Durch diese Schönheit (und Nüchternheit) der Sprache senden wir unseren Kindern mehrere Botschaften: Über dieses Thema kann man sprechen. Sexualität ist nichts Schmutziges. Meine Eltern wollen und können mit mir darüber sprechen. Meine Eltern kennen sich aus. Wenn Du etwas wissen willst, frag‘ doch einfach Deine Eltern. Welche Antwort könnte nun die oben genannte Mutter ihrem Sohn geben? „Die Babys kommen nicht beim Mund heraus“, kann sie erklären. „Da gibt es einen eigenen Ausgang, der heißt Scheide und liegt zwischen den Beinen der Frau.“ Zufrieden wird der Bub sich zurücklehnen. Seine Mama sollte diesem Beispiel allerdings nicht folgen. Sie darf sich auf jene Frage vorbereiten, die der kleine Knirps ihr spätestens nach fünf Tagen stellen wird: „Und wie kommen die Babys in den Bauch hinein?“.

Maria Büchsenmeister ist Inhaberin des Verlags ehefamiliebuch und Mutter von elf Kindern. – http://www.ehefamiliebuch.at


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