"Trotz der Schwierigkeiten in der Erziehung, die heute oft noch drückender geworden sind, müssen die Eltern ihre Kinder mit Vertrauen und Mut zu den Grundwerten des menschlichen Lebens heranbilden. Die Kinder müssen in angemessener Freiheit gegenüber den materiellen Gütern aufwachsen, indem sie sich einen einfachen und anspruchslosen Lebensstil aneignen in der Überzeugung, daß 'der Wert des Menschen mehr in dem liegt, was er ist, als in dem, was er hat'." (Johannes Paul II, Familiaris Consortio, 37)
"Kraft ihrer Würde und Sendung haben die christlichen Eltern die besondere Aufgabe, ihre Kinder zum Gebet zu erziehen, sie hinzuführen zu einer fortschreitenden Entdeckung des Geheimnisses Gottes und zu einem persönlichen Gespräch mit Ihm". (Ebd., Nr. 60)
Zu den "normalen" Schwierigkeiten, die sich aus der Aufgabe der Kindererziehung ergeben, kommt heute noch das sogenannte säkularisierte soziale Umfeld hinzu, das christlichen Werten neutral, wenn nicht sogar ablehnend gegenübersteht. Guter Rat ist daher willkommen, jede Erfahrung zählt, die den Aufbau der eigenen "Hauskirche" - das nämlich soll jede christliche Familie sein - unterstützt.
Wir bieten eine umfangreiche Aufzählung von Ratschlägen, entworfen und selbst erprobt von Mariano Bailly-Bailliere, einem erfahrenen Familienvater aus Madrid, die zumindest ein Denkanstoß sein soll für alle, die sich auf das faszinierende Abenteuer eingelassen haben, ihre Kinder im Licht des Evangeliums zu erziehen.
I. Wie kann das Glaubensleben bei Kindern gefördert werden?
- In ihnen von klein auf Liebe zu Jesus in der Eucharistie und zur Mutter Gottes wecken.
- Vor Augen haben, dass jede Ausdrucksform der Frömmigkeit einen theologischen Hintergrund hat, den die Kinder erst langsam begreifen lernen.
- Die Eltern sollen beibringen, wie man betet, sie müssen aber auch erklären, zu wem man betet, und warum.
- Als Eltern geduldig dahinter sein, dass regelmäßig tägliche mündliche Gebete gesprochen werden, z. B. ein Tischgebet und Morgen- und Abendgebete.
- Wird gemeinsam gebetet, so soll auf Respekt und Haltung geachtet werden. Beten ist etwas ganz anderes als Spielen oder Fernsehen - das muss man auch äußerlich merken.
- Die Mühe (von Seiten der Eltern wie der Kinder) nicht scheuen, den Rosenkranz in der Familie zu beten. Die Kleineren können nur bei einem oder zwei Geheimnissen dabei sein, je nach Konzentrationsfähigkeit. Lernen, Freizeit etc. so einteilen, dass Zeit für das Rosenkranzgebet gefunden wird, und Gründe für das gemeinsame Gebet geben.
- Mit den Kindern in die Heilige Messe gehen, wann immer man kann. Auch wenn sie noch klein sind, ihnen nach und nach die vier Ziele der Messe (Anbetung, Dank, Bitte, Sühne) erklären, damit sie sich an die Heilige Messe gewöhnen und sie schätzen lernen.
- Vor allem in der Kirche auf würdiges Verhalten achten. Darauf hinweisen, dass der Herr wirklich und wahrhaft anwesend ist.
- Auf die Kleidung achten - z. B. nicht in Sportkleidung in die Kirche und noch weniger in die Sonntagsmesse gehen. Den Kindern beibringen, das eine vom anderen zu unterscheiden.
- Aufpassen, dass die Kinder das eucharistische Fasten einhalten.
- Ihnen zeigen, wie sie sich durch einen Reueakt aus Liebe zu Gott auf den Empfang der Heiligen Kommunion vorbereiten können.
- Ihnen ganz konkret zeigen wie man nach der Kommunion Dank sagen kann.
- Nach der Messe einige Minuten der gemeinsamen Danksagung halten, erklären, dass der Herr noch immer wesenhaft in uns ist. Beispiel geben.
- Ihnen von klein auf die Bedeutung der verschiedenen Feste im Kirchenjahr erklären.
- Von klein an sollen die Kinder Schmerz, Unangenehmes, mühevolle und lästige Arbeiten mit der Wiedergutmachung und der Miterlösung der Welt in Verbindung bringen. Ihnen "gute Gründe" geben, die ihnen später als Stütze dienen.
- Den Kindern helfen, beim Beten und den anderen Ausdrucksformen des Glaubens beständig zu sein.
- Vor allem den 11 - 13-jährigen helfen, dass sie die Scham überwinden, dass andere (Schulfreunde, Cousins, Nachbarn ...) sie beim Beten sehen.
- Ihnen erklären, warum sich die Familie für bestimmte Urlaubsorte entscheidet, statt für andere, wo vielleicht mehr "los" ist, durch moralische Gedankenlosigkeit aber Gott beleidigt wird, sodass sie diese Entscheidung auch tragen lernen.
II. Erziehung zur Großzügigkeit
- Ihnen von klein auf erklären, dass nichts Materielles ihnen voll und ganz gehört. Sie haben daher auch nicht das Recht, geschenkte oder alte Spielsachen kaputt zu machen.
- Ihnen deutlich machen, dass auch wir Eltern letztlich nicht Eigentümer der Dinge sind.
- Sie daran gewöhnen, dass sie sich Spiele, Arbeitsgeräte, Bücher etc. gegenseitig borgen.
- Die Eltern müssen selbst die Zeit großzügig bemessen, die sie ihren Kindern widmen - Hilfe beim Lernen, gemeinsames Ausruhen etc. - das ist ein wichtiges Beispiel der Hingabe an die anderen.
- Die Kinder müssen von klein an mit ihrer Zeit großzügig umgehen. Manchmal sollten sie zugunsten von etwas noch Wichtigerem das Lernen oder einen Auftrag zu Hause bleiben lassen bzw. verschieben.
- Abgesehen von den kleinen Diensten die man im Rahmen des Familienlebens von ihnen verlangt, ist es wichtig, eine festgelegte und genau umrissene Aufgabe zu bestimmen, die dem jeweiligen Alter des Kindes entspricht, seinen Verantwortungssinn fördert und eine kleine Überwindung bedeutet (z. B. Aufpassen auf kleinere Geschwister, Ordnung in einem oder mehreren Zimmern, Aufgaben im Haushalt oder Garten etc.); bei den Aufträgen und Diensten flexibel sein: Eine vereinte Familie, die sich gegenseitig zu Hilfe kommt, ist wichtiger als das strikte Erfüllen einer konkreten Arbeit.
- Sie sollen lernen, das Kreuz anzuschauen, wenn es ihnen schwerfällt etwas herzugeben. Im Endeffekt haben sie ja alles, was sie haben, von Gott bekommen. Die Hingabe Christi am Kreuz ist unser Vorbild.
- Auch wenn andere Argumente ebenso gelten, soll man ihnen von klein auf tief ins Herz und ins Gedächtnis legen, dass es grundlegende Motive gibt, die einen Christen dazu bewegen sich so und nicht anders zu verhalten.
- Vorsichtig in der Wortwahl sein, wenn es in Unterhaltungen um das Geld, um Reisen oder um Karriere geht bzw. deutlich wird, dass sich die Erwachsenen sehnsüchtig etwas Materielles wünschen.
- Geduldig sein beim Fördern der Großzügigkeit, auch wenn es so aussieht, als komme man keinen Schritt weiter. Geiz und Egoismus sind negative und durch die Erbsünde noch verstärkte Ausdrucksformen des natürlichen Selbsterhaltungstriebs.
- Die Kinder dazu anregen einen Teil ihres Geldes mit anderen zu teilen oder bei bestimmten Gelegenheiten zu spenden; bzw. zu sparen, damit sie Eltern und Geschwistern Geschenke machen können.
- Die Dankbarkeit von klein auf fördern. Echte Dankbarkeit führt dazu, dass man sich gegenüber demjenigen, der uns etwas Gutes getan hat, besonders großzügig verhält.
- Die Kinder daran teilhaben lassen, wenn die Erwachsenen Kranke und Alleinstehende besuchen, arme Familien oder Flüchtlinge unterstützen etc. Das Aktivwerden aus Nächstenliebe und Mitleid ist das beste Mittel gegen Egoismus und Spießigkeit.
- Die Kinder sollen - je nach Alter mehr oder weniger genau - wissen, dass man die Pfarre bzw. Kirche oder Sozial- und Bildungseinrichtungen finanziell unterstützen muss, weil sonst viele soziale Dienste nicht möglich wären.
III. Erziehung zur Stärke und zur Mäßigkeit
- Manche eingesessenen Familiengewohnheiten ändern, wenn sich das auf die Stärke und Kraft aller Mitglieder - inklusive der Eltern - positiv auswirkt.
- Die Eltern sollten am Abend nicht zu oft ausgehen bzw. es vermeiden, allzu spät nach Hause zu kommen. Die Kinder merken es und fragen.
- Freunde nach Hause einladen; gastfreundlich sein, aber ohne zu viel des Guten zu tun - die Kinder registrieren es genau.
- Im Kühlschrank, in der Speisekammer und der Hausbar nur das unbedingt Nötige aufbewahren.
- Hin und wieder Nahrungsmittel kaufen, die billiger sind; die Kinder sollten das merken!
- Menüs einplanen, die Speisen enthalten, die den Kindern weniger oder gar nicht schmecken, damit sie sich daran gewöhnen.
- Sie sollten lernen, beim Essen nicht das Beste für sich selbst zu nehmen.
- Sie sollten ein bisschen mehr von dem nehmen, dass ihnen weniger schmeckt, und ein bisschen weniger von ihren Lieblingsspeisen.
- Auf keinen Fall unnötig Essen wegwerfen. In diesem Punkt streng sein. Verstandesmäßig darauf bestehen, dass Lebensmittel immer einen Wert haben und viele Menschen Hunger leiden.
- Den Kindern beibringen, dass ein Engpass oder Verlust, mit dem man nicht gerechnet hat, nicht allzu tragisch genommen werden darf.
- Immer wieder erklären, warum die Stärke so wichtig ist und wie man sich in konkreten Situationen verhalten muss, um stärker zu werden.
- Wenn man von ihnen etwas verlangt, muss man immer rationelle, zugleich aber auch übernatürliche Gründe angeben. Die Eltern sollten ihre Erklärungen immer freundlich geben, auch wenn die Kinder nicht nach Erklärungen verlangen, damit sie die Begründung frei annehmen können.
- Aufpassen beim Einkauf von Kleidung und Sportgeräten. Wenn mehrere Geschwister da sind, sollten sie sich daran gewöhnen Dinge voneinander zu "erben".
- Mit allen Mitteln verhindern, dass die Kinder Sklaven der Mode und der Werbung werden. Je stärker der Druck der Umgebung ist, desto öfter und geduldiger muss man es ihnen erklären.
- Verlangen, dass sie auf ihre Kleidung aufpassen: lüften, zusammenlegen, wegräumen, für den nächsten Tag vorbereiten etc.
- Größere Kinder sollten wissen, wie viel ihre Kleidung gekostet hat. An unserer eigenen Haltung beim Einkaufen sollen sie sehen, dass man sich oft etwas Billigeres aussucht, obwohl uns das Teurere besser gefallen würde.
- Wenn sie sich wehtun, kleinere Krankheiten bekommen etc., sollen sie nicht denken, dass der Schmerz unbedingt sofort verschwinden muss.
- Ihnen von ganz klein auf erklären, dass der Schmerz einen Wert bekommt, indem man ihn annimmt und aufopfert. Sie sollen verstehen lernen, dass Christus die Welt durch Leiden erlöst und uns die Möglichkeit gegeben hat, durch unsere Opfer mitzuerlösen.
- Den Kindern von klein auf Ideen geben, wie sie Opfer bringen können, indem sie die normalen, sich ergebenden Gelegenheiten ausnützen.
- Sie sollen lernen, Widerwertigkeiten mit Freude zu tragen.
- Beim Arbeiten und beim Lernen von ihnen Beständigkeit fordern. Fixe Lernzeiten einplanen; wissen, was in der Schule von ihnen verlangt wird.
- Ihre Sportlichkeit fördern. Sie auch zu Sportarten ermuntern, die von ihnen Überwindung und Ausdauer erfordern.
- Familienausflüge planen, die nicht rundherum "bequem" sind, damit alle irgendwie stärker werden.
- Dem Kampf gegen die Charakterschwächen großen Wert beimessen. Hier wird Starksein auf einem sehr wichtigen Gebiet "geübt". Sie sollen lernen, auf die Uhr zu schauen, damit sie nicht zu spät kommen, nachzugeben und sich nicht zu ärgern, auch wenn sie im Recht sind, usw.
- Die Eltern sollten nicht einmal vor ihren engsten Freunden über die Arbeit, Verzichte etc. jammern, die ihnen die Kinder - egal ob klein oder groß - abverlangen.
- Christliche Großzügigkeit endet nicht beim Kinder in die Welt setzen: Sie zeigt sich durch die Arbeit und Bemühung, die Kinder auch zu guten Christen zu erziehen.